Koffeinentzug: ein Weg zurück zur Selbstbestimmung?

Brauchst du einen Koffeinentzug?

Am Morgen lockt uns der Kaffee aus dem Bett, er beschert uns kleine Verschnaufpausen auf der Arbeit und ist ein gern gesehener Gast bei Treffen mit Freunden.

Kaum ein Getränk findet so viele Anhänger und ist so vielseitig wie Kaffee. Warum also sollte man unseren kleinen schwarzen, hellbraunen oder Milchschaumkronen tragenden Freund in Frage stellen und über einen Koffeinentzug nachdenken?

Bei so vielen Vorteilen hat der ein oder andere sicher das Bedürfnis, sich die „Zwei Seiten der Medaille“ genauer anschauen zu wollen. In unserem Fall dann sozusagen die zweite Seite der Kaffeebohne.

Die geheimen Machenschaften des Kaffees

Was uns Menschen der Kaffee bringt, kann sicher jeder ganz schnell erklären. Aber wie macht er das eigentlich?

Aufwachen, wach bleiben und konzentriert arbeiten

Nach etwa 15 Minuten entfaltet das Koffein aus deinem Kaffee seine volle Wirkung. Aufgrund der hohen Bioverfügbarkeit sind nahezu 100% des im Kaffee enthaltenen Koffeins für deinen Körper verfügbar.

Das Koffein regt die Ausschüttung der Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin in den Nebennieren an und bereitet dich so auf eine Kampf- oder Fluchtsituation vor.

Mit diesen Stresshormonen steigt u.a. die Herzschlagfrequenz und der Blutdruck an; du fühlst dich wach, konzentriert und leicht euphorisch.

Gleichzeitig blockiert Koffein die Aufnahme des Botenstoffs Adenosin, der deinem Körper auf natürliche Weise signalisiert, dass er eine Pause benötigt. Somit verhinderst du das Gefühl der Müdigkeit und bleibst länger aktiv.

Das führt unweigerlich zu einem Teufelskreis:

Der erste Kaffee am Tag macht dich fit und munter, deine Leistungsfähigkeit steigt. Sobald die Wirkung des Koffeins nachlässt und dein Körper dir signalisiert Pause zu machen, klingt das für dich wie: "Ich brauche eine Tasse Kaffee!"

Dieser zweite Kaffee am Tag reduziert nun die Aufnahme des Adenosins und schon bist du nicht mehr müde. Lässt die Wirkung erneut nach, verlangst du automatisch nach einem neuen Kaffee.

Je öfter du dieses Spielchen spielst, desto mehr versucht dein Körper Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Infolgedessen benötigst du immer mehr Koffein, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Geselliges Beisammensein oder jahrelange Konditionierung

Die meisten von uns begleitet Kaffee schon länger als wir ihn selbst trinken. Zuhause am Frühstückstisch, bei Besuch oder wenn Oma und Opa zu Kaffee und Kuchen eingeladen haben. Sogar an deinem Kindergeburtstag gab es stets einen Bereich für die Erwachsenen, an dem der gut duftende Begleiter seinen Platz fand.

So ist Kaffeetrinken für dich zu einem netten Ritual geworden. Kein Wunder also, dass die erste Frage an deine Gäste, die Teilnehmer deines Meetings oder an deine Begleitung im Restaurant nach einem leckeren Essen häufig lautet: "Kaffee?"

Und am Ende des Tages weißt du schon gar nicht mehr wie viele Tassen Kaffee du eigentlich getrunken hast, falls es dich überhaupt interessiert.

Es gibt also Tag für Tag viele Gelegenheiten einen Kaffee zu trinken, so dass die empfohlene Tageszufuhr von 3-4 Tassen Kaffee schnell überschritten wird.

Und so wird aus dem Genussmittel Kaffee ein ganz alltägliches Getränk.

Kaffee schenkt dir kleine Auszeiten (mit Suchtpotenzial)

Es gibt immer mal wieder Situationen in denen wir ganz automatisch auf einen Kaffee zurückgreifen. Das können schöne aber auch schwierige Momente in unserem Leben sein.

Nach einer hitzigen Diskussion mit deinem Partner oder einer nervigen Auseinandersetzung mit deinem Chef hilft dir ein Kaffee erstmal wieder runterzukommen.

Und auch nach einem leckeren Essen bietet sich ein Kaffee an, um das Festmahl gebührend abzuschließen.

Mit einer Tasse Kaffee haben wir also die Möglichkeit kurz mal Pause zu machen, eine Situation sacken zu lassen und einfach mal abzuschalten oder den Moment zu genießen.

Schließlich verknüpft unser Gehirn Kaffee mit Entspannung und aus anfänglicher Gewohnheit kann nach einer gewissen Zeit ein Verlangen werden, dem wir physisch und vor allem psychisch unterlegen sind.

Genießer brauchen keinen Koffeinentzug

Wie schwer es ist das Kaffeetrinken aufzugeben wurde uns selbst erst nach dem Experiment "Ein Monat lang keinen Kaffee" bewusst.

Neben zahlreichen Situationen in denen wir aus reiner Gewohnheit gerne einen Kaffee getrunken hätten, mussten wir auch lernen morgens ohne Kaffee in die Gänge zu kommen.

Am auffälligsten waren jedoch die Kopfschmerzen nach den ersten paar Tagen, die wir auf den Entzug des Koffeins zurückführen.

In den darauffolgenden Wochen haben wir uns morgens dann zeitweise mit grünem Tee beholfen, um anschließend ganz auf einen Wachmacher zu verzichten.

Heute − rund ein Jahr später − trinken wir gar keinen Kaffee mehr und verzichten auch auf sämtliche Alternativen.

Lohnt sich ein Koffeinentzug?

Sicherlich gibt es zum Thema Kaffeetrinken unzählige Studien, die euch eine positive Wirkung belegen und einer körperlichen Abhängigkeit widersprechen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass täglicher Kaffeekonsum letztendlich müder macht als wenn man lernt seinem Körper die nötigen Pausen zu geben, um anschließend wieder voll einsatzbereit zu sein.

Wer gelegentlich einen Kaffee genießt, braucht sich über seine Gesundheit sicher keine Gedanken machen. Wer Kaffee statt Wasser trinkt und in verschiedenen Situationen völlig selbstverständlich auf eine Dosis Koffein zurückgreift, sollte seinen Kaffeekonsum dringend überdenken.

Wie ist dein Verhältnis zum Kaffee? Kommt ein Koffeinentzug für dich in Frage oder kannst du einfach nicht widerstehen? Versuch es doch einfach mal für eine Woche ;)

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11 Kommentare

  • Danke für den tollen Artikel. :)
    Ist zwar schon ein älterer Beitrag, aber für mich gerade sehr aktuell.
    Tatsächlich waren es meine Freunde, die mich darauf ansprachen, dass ich ungewöhnlich häufig Kopfschmerzen habe.
    Ich trinke gar nicht viel Kaffee, nur 1-2 Tassen am Tag. Und auch nicht jeden Tag. Und an den Tagen, an denen ich keinen Kaffee trank, bekam ich Kopfschmerzen. Es fing ab vormittags an und wurde immer schlimmer, bis ich am Abend Migräne hatte. Ich hatte das beobachtet und kam zu der Erkenntnis, dass dies an den Kaffee gekoppelt war - ohne Kaffee bekam ich Kopfschmerzen. Sobald ich Kaffee trank, waren die Kopfschmerzen weg.
    Das ist eine Abhängigkeit, die ich nicht akzeptieren möchte.
    Allerdings liebe ich den Geschmack von Kaffee extrem. Dauerhaft reduziert trinken funktioniert aber augenscheinlich nicht, wenn ich schon bei einer Tasse so heftige Reaktionen hatte.
    Ich bin jetzt seit ein paar Tagen auf entkoffeinierten Kaffee umgestiegen und jetzt geht es mir ziemlich gut, auch wenn die ersten zwei Tage brutal waren. Ich bin mal gespannt, was die nächsten Wochen bringen.

    Was ich übrigens mal zu Kaffee am Morgen gelesen habe: wenn man Kaffee innerhalb der ersten zwei Stunden nach dem Aufwachen konsumiert, hat er nachweislich keinen Effekt. Der Körper sendet von sich aus schon Wachmacher-Hormone aus. Was der Kaffee am Morgen tatsächlich tut: dem Körper signalisieren, dass er seine Hormonproduktion ruhig herunterfahren könne, da genug Wachmacher von außerhalb zugeführt werden. Und nach und nach wird der Kaffee zum Wachwerden immer dringender benötigt.
    Fand ich eine äußerst interessante Untersuchung.
  • Hallo Silvia,

    ist es nicht schön seinen Tag wieder völlig selbst bestimmt zu genießen; einfach nur in dem man auf Koffein verzichtet? Ich finde es erschreckend wie völlig selbstverständlich diese Droge im Alltag zu sich genommen wird. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

    Irgendwann schreiben wir auch nochmal einen Artikel über Alkohol, da findet nämlich das gleiche Phänomen statt 🤷‍♂️

    Ich wünsche dir alles Gute!

    Liebe Grüße − Marco
  • Hallo Marco,

    danke für deine Antwort :)
    Ein Artikel über Alkohol wäre klasse. Ich trinke nur sehr wenig Alkohol (3 Gläser Wein in einem Jahr), mein Freund überhaupt nicht. Uns fällt dadurch jedes Mal extrem auf, wie sehr das Trinken in der Gesellschaft nicht nur akzeptiert, sondern erwartet wird. Ständig müssen wir uns auf Partys rechtfertigen, warum wir nicht trinken (teilweise wird nichtmal die Begründung des Fahrens akzeptiert - "Ein Bier geht doch!"). Oder man wird beim feierlichen Anstoßen als Spielverderber dargestellt, nur weil man alkoholfrei anstößt.

    Ich bin gespannt, was ihr dazu schreibt und wie eure Erfahrungen sind.

    Viele Grüße
    Silvia
  • Ich bin definitiv Kaffee-süchtig...und das, obwohl ich bis zu meinem 38. Lebensjahr überhaupt keinen Kaffee getrunken habe. Ich bin jetzt 46 und trinke, wenn ich nicht aufpasse, den ganzen Tag nur Kaffee. Ich habe schon mehrfach einen "kalten Entzug" hinter mir - kann die Menge nicht einfach reduzieren, wenn Kaffee im Haus ist. Ich kaufe dann keinen Kaffee und räume meine Kaffeemaschine in den Keller. Warum ich sie nicht wegwerfe? Weil ich ein Junkie bin...und mir die Möglichkeit erhalten will, jeden Tag rückfällig zu werden. Außerdem habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich wieder im Kaffeerausch bin und verharmlose mein Tun mit Sätzen wie: Ich bin erwachsen...ich kann tun und lassen, was ich will...!
    Das stimmt auch....aber das Lassen fällt mir so verdammt schwer...
    Seit ein paar Tagen bin ich wieder auf Tee ungestiegen...hoffentlich diesmal "für immer". :o)
  • Hey Jasna,

    ich kenne soviel Menschen denen es genau wie dir geht, wobei vielen die Sucht gar nicht bewusst ist. Schön, dass du es wieder mal probierst. Hast du auch Erfahrungen mit Kopfschmerzen beim kalten Entzug gemacht? Und was ist mit koffeinfreien Kaffee? Wir trinken zwischendurch Getreidekaffee, schmeckt schon anders.. aber reicht für das gute Gefühl ;)

    Liebe Grüße − Marco
  • Hallo! Ich trinke seit Januar 18 (50. Geburi) keinen Kaffee mehr, und bin echt froh über den Entscheid. Ich spürte deutlich, dass mir das nicht gut tat und mir Stimmungsschwankungen bescherte. Selten mal einen Getreidekaffe, that's it.
  • Hey Barbara,
    ich find's überraschend wie selten Kaffee bzw. Koffein als Droge angesehen wird. Ist meiner Meinung nach schon fast wie bei Alkohol. Ich denke es liegt daran, dass wir Trinken generell als völlig natürlich empfinden.
    Umso mehr freue ich mich darüber zu hören, dass es doch noch andere Menschen gibt, denen es wie uns geht :) bei uns gibt's auch hin und wieder ein Getreidekaffee und gut!
  • Ich seh das mit dem kaffeekonsum genauso. Persönlich habe ich auch schon häufig über einen langen Zeitraum auf Kaffee verzichtet mir fällt es nicht schwer . Ich trinke auch gerne mal ein caro 😋
  • Japp, wir haben am Anfang auch viel Ersatzkaffee aus Getreide probiert. Caro-Kaffee, Dinkelkaffee aber auch Malzkaffee. Den Dinkelkaffee haben wir echt über Monate getrunken, der schmeckt anders, aber uns echt gut. Letztendlich ist das dann aber auch eingeschlafen und mittlerweile gibt es 2-3 mal im Monat noch so ein Getreidekaffee :) Normaler Kaffee fehlt uns gar nicht mehr..
  • Gut, dass auf sowas auch mal aufmerksam gemacht wird!! Leider wird der hohe Konsum, in den meisten Fällen nicht so ernst genommen, aber wie man sieht, schadet es dem Körper ungemein...
    Ich selber habe früher auch mehr als 4 Tassen Kaffee getrunken, das habe ich aber Gott sei Dank hinter mir und es geht einem wirklich besser! :)
  • Hey Maike,
    auf jeden Fall, uns geht's auch viel besser ohne. Wir sind jetzt durchgehend fit und brauchen vor allem morgens nicht erst eine "Dröhnung" ;)

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